Ich will alles. Ein Heft über die Generation grenzenlos. Wie Jugendliche denken, wen sie lieben, was sie tun.






Matthew über Zukunft:
«Manchmal bin ich schon etwas neidisch auf meine Freunde. Die können arbeiten, eine Ausbildung machen, planen - ich nicht. Dabei wünsche ich mir nichts sehnlicher, als eine Lehre zu machen, als Mechaniker oder Elektriker, und dann eine Familie zu gründen. Ganz einfach. Aber ich kann nicht.
Mein Asylgesuch wurde abgelehnt, ich warte auf meine Ausschaffung. Daran denke ich nicht gerne - ich hoffe immer noch auf ein Wunder. Ich habe viel getan um hier anzukommen: schnell Deutsch gelernt zum Beispiel.»
Aylin über Konsum:
«Viele denken sicher aufgrund meines Äusseren ich sei eine Tussi. Dabei trage ich einfach gerne hohe Schuhe , weil ich ziemlich klein bin. Und klar, ich gehe gern shoppen, aber ich bin eigentlich ziemlich vernünftig und geben nicht viel auf Markenklamotten.
In der Schule hat es viele, die auf exklusive Markenkleider stehen. Sie sehen aus wie Werbetafeln mit all ihren Labels: Louis Vuitton, Prada, Burberry oder Longchamp. Goldküstenkids halt - ich kann und will mir so was nicht leisten. Als ich neu ins Gymi kam, war ich schon ein bisschen neidisch, denn so viel Geprotze gab es in der Sek nicht.»
David über Erfolg:
«Es wäre wohl etwas übertrieben zu behaupten, das Leben sei ein Spiel. Aber ich bin eben ganz der Sportler. Ich brauche etwas, was ich erreichen kann.
Erfolg hat meist etwas mit Aufwand und Ertrag zu tun. Da denke ich ganz wirtschaftlich. Du bekommst, was du verdienst.»
Anja über Vorurteile:
«Als ich klein war, wurde mein Vater in Zürich zweimal verhaftet. Angeblich, weil die Polizei auf der Suche nach einem unbekannten Schwarzen war. Im Zug, wo er als Dolmetscher jeweils erste Klasse fuhr, beleidigte ihn der Kondukteur mit der Frage: «Hat der Heger auch ein Billett?» Gehts noch?»
Patrick über Gewalt:
«Das Engadin ist ja eine relativ heile Welt. In meinem Umfeld gibt es keine mit bekannten Verbrechen. Ich weiss nicht genau, wieso mich das Thema Gewalt so fasziniert. Die Gewaltszenen in meinen der Krimis entstammen meiner Phantasie oder sind grad im letzten auch beeinflusst vom schwedischen Krimiautor Stieg Larsson.
Das Thema Jugenddepression ist sehr wichtig. Ein Schulfreund von mir hat sich umgebracht. Bis heute weiss ich nicht genau warum. Der innere Rückzug ist eine Art Selbstvergewaltigung und heute leider sehr verbreitet.»
Lydia über Intelligenz:
«Meine Mutter sagt immer, ich solle etwas weniger für die Schule machen und mehr die Freizeit geniessen. Sie ist sehr froh, dass ich jetzt einen Freund habe und ein wenig abgelenkt bin - was jedoch nicht heisst, dass ich weniger gut in der Schule bin. Ich bin schon ziemlich ehrgeizig und will immer alles ganz genau wissen.
Auch Frauen verstehen nämlich etwas von Naturwissenschaften. Das hat mich schon immer genervt: Wenn ein Mädchen eine gute Mathearbeit schreibt, heisst es: Die ist aber fleissig. Doch wenn ein Junge dasselbe macht, heisst es: Der ist aber intelligent.»